Nachtblut – Vanitas CD Review

Hallo Leute,

es ist viel Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal etwas online gestellt habe. Es sind schwarze Zeiten für uns alle und ich hoffe, dass es euch allen gut geht, ihr gesund seid und man sich nächstes Jahr eventuell wiedersieht.

Heute möchte ich euch ein neuen Longplayer vorstellen. Die Platte ist von deutschen Dark Metal-Band Nachtblut und hört auf den Titel „Vanitas“. „Vanitas“ ist Latein und bedeutet „leerer Schein, Nichtigkeit oder Eitelkeit“. Ich werde nun mal hinterleuchten, was es damit auf sich hat.

Nun, ich habe mir die CD in der Releasewoche bestellt, diese war vom 2.-9.Oktober 2020. Nachtblut haben während ihrer 15-jährigen Karriere schon 5 Studioalben auf den Markt geschmissen, mit ihrem 6. Und neuestem Album haben sie es auf Platz 19 der deutschen Musikcharts geschafft, worauf sie sehr stolz sein können. Ich freue mich jedenfalls, dass ich dazu beitragen konnte und habe den Kauf nicht bereut. Allein des Covers wegen musste diese CD in mein Regal. Habt ihr es euch mal genauer angeschaut? 4 Skelette der 4 Musiker an einem Tisch mit vergammelten Lebensmitteln, Büchern und allerlei Kram darauf. Diese Gestaltung des Covers finde ich äußerst ansprechend und thematisch passend.

Nachtblut sind dafür bekannt, die Gesellschaft und ihre Missstände zu kritisieren. Auch findet man oft Songs, die sich einer wahren Begebenheit widmen oder Phantasien über Frauen, die er auf verschiedenste Arten umbringt, foltert oder andersherum auch wieder verehrt. Passt alles nicht so zusammen? Stimmt. Aber meist sind das die musikalischen Meisterwerke in meinen Augen. Ich kenne alle Alben und verfolge Nachtblut leider erst seit 2015 und habe sie auch schon ein paar Male live gesehen. Ich kann es nur empfehlen, man bekommt etwas für sein Geld geboten. Sei es das Schweineblut, was Herr Askeroth in die Menge spuckt, ein echtes Schweineherz, was in die Menge geworfen wird, etc. Überzeugt euch selbst.

So viel zum Vorgeplänkel. Kommen wir zum eigentlichen Thema – zu den Songs selbst. Gehen wir der Reihe nach vor.

„Veritas“ ist das Intro, welches sehr gut ankündigt, was euch erwartet.

Danach werdet ihr mit „Vanitas“ entführt in den Totentanz – ein sehr langer und melodisch einschlagender Titel mit Ohrwurmeffekt, ein typischer Nachtblutsong. Ab diesem Moment fühle ich mich direkt abgeholt und in eine Parallelwelt gesogen.

Leierkinder ist ein besonderer Titel, denn es findet sich ein kurzer Kinderchor mitten im Song. So etwas gab es nie zuvor und macht es deshalb so spannend. Außerdem hört man hier ein Instrument, welches man eigentlich nur aus anderen Genre kennt: eine Leier und zur Unterstützung eine Akustikgitarre. Zu diesem Song gibt es außerdem ein Video, mit Band und Schauspielern in Aktion. Links folgen unten. Sehr deutlich zu hören ist hier die Kritik an der Gesellschaft, indem Sie sagen, dass wir seit Urzeiten nach derselben Melodie tanzen, die uns der Herrgott vorgibt. Er dreht die Leier und niemand darf auf der Walze stehen, damit alles bleibt wie es ist. Man möchte darauf aufmerksam machen, dass man nicht in der breiten Masse mitschwimmen soll, sondern seinen eigenen Kopf zum Denken hat und auch benutzen muss. Denn der bequeme Weg wird uns ja schließlich vorgegeben. Die Botschaft wird visuell sehr gut umgesetzt.

Der nächste Song ist „das Puppenhaus“. Nicht mein persönlicher Favorit, was die musikalische Umsetzung angeht, aber interessant vom Text. Auch dieser Song wurde visuell umgesetzt, Link unten.
Für mich wird hier unsere Regierung beschrieben, wie sie mit uns umspringt. Nett umschrieben verpackt mit der Funktion eines Puppenhauses. In einem Puppenhaus gibt es einen Puppenspieler, der lenkt und steuert, wie sich seine Puppen zu verhalten haben. Die Puppen lieben ihn, verehren ihn und folgen ohne nachzudenken. Und genau das ist es, was unsere Regierung mit uns auch macht. Sie machen tolle Wahlversprechen, damit wir sie wählen. Danach machen sie was Sie wollen und erlassen Gesetze, ohne auf das Volk zu achten und einzugehen. Trotzdem gibt es immer wieder viele Anhänger, die die Leute wieder wählen und verehren, was die Puppen in dieser Geschichte hier sehr stark zum Ausdruck bringen, in dem sie die Finger nicht von ihrem Puppenherr lassen können und ihm blind vertrauen. Leute, schaltet eure Köpfe ein und folgt nicht der breiten Masse! Ich persönlich finde, dass Nachtblut das wahre Leben sehr geschickt, und ohne dass sie dafür belangt werden können, deutlich veranschaulicht haben. Wer sich die Zeilen dazu durchliest, wird verstehen was ich meine.

Kommen wir zu „Kaltes Herz“. Im ersten Moment schreckt er ab, da er sehr poplastig beginnt und man denkt, na nu was ist das denn? Allerdings geht er schnell in den altgewohnten metallischen Sound über und die Synthesizer verlagern sich in den Hintergrund. In dem Song geht es um einen Tausch zwischen Mensch und Teufel. Wenn man sich auf den Deal einlässt, bekommt der Teufel deine Seele und der Mensch ein Herz aus Stein. Man fühlt keine Schmerzen mehr und denkt, alles zu haben, was man braucht. Auf der anderen Seite ist man einsam, empfindet kein Glück mehr, niemand will mehr mit einem etwas zu tun haben. Ob das die Erfüllung ist?

Nun folgt ein romantischer Song, sowohl textlich, als auch musikalisch. Ein schaurig, beunruhigender Titel  á la Nachtblut. Jedoch deckt er nur das primitive Verlangen eines jeden Menschen auf, wie sehr er dem anderem Geschlecht verfallen ist und sich danach die Finger lächzt, das er oder sie beachtet und geliebt wird, oder ist einfach nur eine Frau, die auf der Jagd nach neuen Errungenschaften ist, während die Männer darauf hoffen, dass sie der Nächste sind… Hört selbst.

„Fürchtet was geschrieben steht“ – ein im Paarreim geschriebener rätselhafter Text, ähnlich eines Gedichtes. Und jeder Satz fängt mit „Dort“ an, außer der Refrain. Interessantes Konzept, mit gewaltigem Gitarrenriff und Schlagzeugpower untermalt, bin ich mir nicht sicher, was er aussagen soll. Vielleicht habt ihr eine Idee?

Im nächsten Titel „Schmerz&Leid“ hört man einen bekannten Sänger der Dark Rock Szene. Niemand anderes als Chris Harms von Lord of the Lost. Hier geht es um die Thematik Schmerz und Leid in sämtlichen Formen, die uns miteinander verbinden. Der Song ist ein Mix aus typischen Nachtblut und Lord of the Lost Elementen, wunderbar miteinander verwoben, sowohl musikalisch als auch gesanglich von beiden Sängern.

Der drittletzte Titel ist einer meiner absoluten Favoriten. „Meine Grausamkeit kennt keine Grenzen“ ist mit Abstand der härteste Song des Albums, so wie man Nachtblut kennt und liebt. Er hat alles, was sie oft miteinander verbinden. Die verschiedenen Tonlagen von Sänger Askeroth, die ich bis heute einfach nur absolut beeindruckend finde und liebe. Er kann sowohl grausam, erbarmungslos schreien, als auch tief und clean singen. Auch ist hier die Härte aller Instrumente wieder voll und ganz zu spüren. Nachtblut bedienen sich auf diesem Album sehr oft der Töne einer Kirchenglocke, die sich von Anfang bis Ende durch das ganze Album zieht. Unterstützend haben sie immer ein Keyboard genutzt, auch wenn es live oft nicht besetzt ist, ist es da und unterstreicht die prägenden, ohrwurmreichen Melodien. Dieser Text wurde auch mit einem Performance Video vor Release veröffentlicht. Als ich ihn gesehen bzw. gehört habe, war das ein Grund mehr, das Album zu kaufen. In dem Song wird eine Seele beschrieben, die geboren wurde und dann direkt vom rechten Weg abgekommen ist. Sie ist böse, tut anderen weh und erfreut sich daran. Sie will die Welt zugrunde richten und mit ihr untergehen. Die Skrupellosigkeit eines Mörders.

„Gegen die Götter“, so heißt der vorletzte Titel und rundet die brachiale Musikgewalt ab, bevor es in die ergreifende Ballade geht. Hier wird nochmal mit allen Mitteln gezeigt, was sie drauf haben und über die Leute denken, die die Götter anbeten und der Meinung sind, alles für sie opfern zu müssen, in dem Glauben, ein besseres und unbeschwerteres Leben zu haben.

„Die Toten Vergessen Nicht“ ist eine der großartigsten deutschsprachigen Metalballaden, die ich je gehört habe. Mit dem Song „Antik“ hatten sich Nachtblut ja schon auf meine Playlist der Beerdigungssongs katapultiert- aber das meine Freunde übertrifft alles bis dato. Nicht nur die Inszenierung des Lyricvideos trug dazu bei, sondern das Gesamtpaket. Ich frage mich, wie das geht und bleibe bis heute beeindruckt. Mit dem längsten Titel des Albums können wir nun beruhigt auf Beerdigungen gehen und uns vor Augen halten, dass der Tod doch garnicht so schlimm und schließlich Teil des Lebens ist und der geliebte Mensch als Geist zuschaut, wie wir um ihn trauern. Unterstrichen, im wahrsten Sinne des Wortes, wird dieser Song mit einer Violine begleitend und punktgenau abgerundet, weshalb der Song so bewegend und emotional bewegend ist. Gänsehautfeeling inklusive. Lasst euch eines sagen: Die Toten Vergessen Nicht!

So meine Lieben, hier habt ihr alles, was ihr wissen solltet. Ich wünsche euch viel Spaß beim Hören und hoffe, dass ich euch wieder ein tolles Album nah bringen konnte. Übrigens bin ich mit dem Sänger auf Facebook virtuell befreundet und lese ganz oft Kommentare und Beiträge von ihm. Er überzeugt sehr oft mit Wissen und seiner eigenen Meinung, die er nicht auf andere publiziert oder versucht zu übertragen – eine Fähigkeit, die nicht jeder hat als Person des öffentlichen Lebens. Auch erklärt er oft die Botschaften hinter seinen Songs, die er schreibt. Falls ihr dahingehend mehr erfahren möchtet, dann rate ich euch mal bei ihm vorbei zu schauen.

Ich komme zu dem Schluss, dass die Übersetzung von Vanitas auf Eitelkeit am Ehesten zutrifft. Denn der Mensch ist eitel und diese Eigenschaft richtet ihn selbst zugrunde, sei es durch Politik oder das Zurechtkommen mit dem Leben und seinen Mitmenschen. Auch ich nehme mich da nicht aus.

Bleibt gesund und haltet durch!

Urheberrechte & Rechte für Bildmaterial bei Nachtblut

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